
Wenn die Heizung bei mildem Wetter zu viel Wärme liefert, bei Frost aber genau richtig läuft, liegt das Problem oft nicht am Heizkörperthermostat. Dann lohnt sich ein Blick auf die Heizkurve. Sie legt bei einer witterungsgeführten Regelung fest, welche Vorlauftemperatur die Anlage abhängig von der Außentemperatur vorgibt.
Für die Einstellung sind vor allem zwei Werte wichtig: Neigung und Niveau. Vereinfacht gilt: Sind fast alle Räume bei jedem Wetter etwas zu warm oder zu kalt, wird zuerst das Niveau geprüft. Passt es bei mildem Wetter, aber nicht bei Frost, spricht das eher für die Neigung.
Die Heizkurve richtig einzustellen heißt deshalb nicht, einen empfohlenen Wert aus dem Internet zu übernehmen. Wer die Heizkurve optimieren will, geht am besten schrittweise vor: Ausgangswerte sichern, nur einen Parameter verändern, die Anlage einige Heizzyklen beobachten und erst danach weiter korrigieren.
Heizkurve einstellen: die schnelle Entscheidungshilfe
| Beobachtung im Haus | Was eher geprüft wird |
|---|---|
| Fast alle Räume sind bei mildem und kaltem Wetter zu kühl | Niveau beziehungsweise Kurve insgesamt anheben |
| Fast alle Räume sind bei mildem und kaltem Wetter zu warm | Niveau beziehungsweise Kurve insgesamt absenken |
| Bei mildem Wetter passt es, bei Frost ist es zu kalt | Neigung etwas erhöhen |
| Bei mildem Wetter passt es, bei Frost ist es zu warm | Neigung etwas senken |
| Übergangszeit zu warm, Winter passt | Niveau senken, danach Neigung erneut kontrollieren |
| Übergangszeit zu kühl, Winter passt | Niveau erhöhen, danach Neigung erneut kontrollieren |
| Nur ein Raum bleibt kalt | Nicht zuerst die Heizkurve verändern |
| Nahe Heizkörper sind warm, entfernte bleiben kühl | Hydraulische Verteilung prüfen |
Die Tabelle ist eine Diagnosehilfe, keine Herstellervorgabe. Regler arbeiten unterschiedlich, und Begriffe wie Niveau, Parallelverschiebung, Fußpunkt oder Sockeltemperatur bedeuten nicht bei jedem System exakt dasselbe.
🦫 Brunos Tipp: Fotografiere vor der ersten Änderung das Display und notiere Neigung, Niveau, Raum-Solltemperatur und Heizzeiten. Wenn ein Versuch nichts bringt, kommst du ohne Rätselraten zur Ausgangslage zurück.
Was ist eine Heizkurve?
Die Heizkurve, auch Heizkennlinie genannt, beschreibt den Zusammenhang zwischen Außentemperatur und Vorlauftemperatur. Wird es draußen kälter, braucht das Gebäude mehr Heizleistung. Die Regelung erhöht deshalb die Temperatur des Heizwassers. Wird es milder, wird der Vorlauf abgesenkt.
Eine passende Heizkurve sorgt für eine gerade ausreichend hohe Vorlauftemperatur, dass auch der ungünstigste regelmäßig genutzte Raum zuverlässig warm wird. Liegt die Kurve deutlich höher als nötig, schließen viele Thermostatventile früh. Die Anlage fährt dann mit mehr Temperatur, als für die Räume erforderlich ist.
Wie hoch die Vorlauftemperatur sein muss, hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Dämmung und Fenstern,
- Größe der Heizflächen,
- Heizkörpern oder Flächenheizung,
- Luftwechsel und Gebäudeform,
- gewünschter Raumtemperatur,
- hydraulischer Verteilung,
- Außentemperatur und Wind.
Deshalb gibt es keine Heizkurve, die für jedes Haus richtig ist.
Neigung, Niveau, Parallelverschiebung und Fußpunkt
Neigung: Wie stark reagiert die Heizung auf Kälte?
Die Neigung bestimmt die Steilheit der Heizkurve und damit, wie kräftig die Vorlauftemperatur steigt, wenn die Außentemperatur sinkt.
Bei einer flachen Heizkurve steigt die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur nur wenig. Eine steilere Heizkurve reagiert deutlich stärker auf Kälte.
Typisches Fehlerbild:
- Übergangszeit angenehm, bei Frost zu kalt: Neigung wahrscheinlich zu niedrig.
- Übergangszeit angenehm, bei Frost zu warm: Neigung wahrscheinlich zu hoch.
Gerade deshalb lässt sich die Neigung an einem milden Herbsttag nur schlecht beurteilen. Für die eigentliche Kontrolle braucht man kalte Tage.
Niveau: Liegt die ganze Kurve zu hoch oder zu niedrig?
Das Niveau verschiebt die Heizkennlinie bei vielen Regelungen insgesamt nach oben oder unten. Je nach Hersteller heißt diese Einstellung auch Parallelverschiebung der Heizkurve.
Sind praktisch alle Räume bei unterschiedlichen Außentemperaturen etwas zu kühl, kann ein höheres Niveau sinnvoll sein. Sind sie fast immer etwas zu warm, wird das Niveau abgesenkt.
Das ist ein anderer Eingriff als eine Änderung der Neigung. Wer beide Werte gleichzeitig verstellt, weiß später kaum noch, welcher Schritt tatsächlich geholfen hat.
Fußpunkt ist nicht bei jedem Regler dasselbe
Bei manchen Heizungsreglern lässt sich zusätzlich ein Fußpunkt, Startpunkt oder eine Mindest-Vorlauftemperatur einstellen. Die genaue Funktion unterscheidet sich je nach Hersteller und Regelungslogik.
Deshalb sollte man den Begriff nicht einfach mit dem Niveau gleichsetzen. Wenn das Menü einen Fußpunkt zeigt, ist die Bedienungsanleitung des konkreten Reglers wichtiger als ein allgemeiner Internetwert.
Heizkurve Tabelle: grobe Richtwerte für den Start
Wer nach einer Heizkurven-Tabelle, passenden Werten oder Erfahrungswerten sucht, möchte meist vor allem eines wissen: Welche Werte eignen sich als Ausgangspunkt? Dafür helfen grobe Orientierungswerte. Fertige Einstellungen sind sie nicht.
| Gebäude und Heizsystem | Grobe Orientierung für die Neigung |
|---|---|
| Gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung | etwa 0,3 bis 0,5 |
| Wärmepumpe mit niedrigen Systemtemperaturen und großen Heizflächen | häufig etwa 0,2 bis 0,4 |
| Gut gedämmtes Haus mit Heizkörpern | etwa 1,0 bis 1,2 |
| Älterer Bestand mit klassischen Heizkörpern | häufig etwa 1,4 bis 1,6 |
Die Bereiche helfen bei der ersten Einordnung, sollten aber nicht einfach übernommen werden. Schon zwei Häuser aus demselben Baujahr können unterschiedliche Werte brauchen, wenn sich Heizkörpergrößen, Dämmung, Fenster oder Regelung unterscheiden.

Auch die Skalen verschiedener Hersteller sind nicht immer direkt vergleichbar. Eine Neigung von 1,0 auf Regler A muss nicht exakt dieselbe Vorlauftemperatur ergeben wie 1,0 auf Regler B.
Was bedeutet eine Heizkurve von 0,6, 1,0 oder 1,4?
Eine Zahl wie 0,6 oder 1,4 ist keine Vorlauftemperatur in Grad Celsius. Sie beschreibt bei vielen Regelungen die Steilheit der Kennlinie.
Grob gilt:
- 0,3 bis 0,5: eher flache Kennlinie,
- 0,6 bis 1,0: mittlerer Anstieg,
- 1,2 bis 1,6: deutlich steilere Reaktion auf sinkende Außentemperaturen.
Aus der Zahl allein lässt sich trotzdem nicht ablesen, ob der Vorlauf bei 0 °C Außentemperatur 35, 45 oder 55 °C beträgt. Zusätzlich zählen Niveau, Raum-Sollwert, Regelungsart, Begrenzungen und die Berechnung des jeweiligen Herstellers.
Wer im Internet eine Tabelle findet, die jeder Neigung eine scheinbar exakt passende Vorlauftemperatur zuordnet, sollte deshalb prüfen, für welchen Regler diese Werte gelten.
Passt das Problem überhaupt zur Heizkurve?
Nicht jedes kalte Zimmer bedeutet, dass die Heizkennlinie falsch eingestellt ist.
Bleibt nur ein Heizkörper kalt, sind Luft, ein klemmendes Thermostatventil, eine ungünstige Ventileinstellung oder zu wenig Durchfluss wahrscheinlicher. Die passenden Prüfschritte stehen unter Heizung wird nicht warm: Ursachen erkennen und selbst beheben.
Werden Heizkörper nahe am Wärmeerzeuger schnell heiß, während weiter entfernte Räume regelmäßig kühl bleiben, spricht das eher für eine ungünstige hydraulische Verteilung. Dann sollte der hydraulische Abgleich geprüft werden. Eine höhere Heizkurve würde das Verteilungsproblem nur mit zusätzlicher Temperatur kaschieren.
Auch die Umwälzpumpe kann das Bild verfälschen. Bleiben mehrere Heizkörper schwach, treten neue Geräusche auf oder wird die Wärme plötzlich nicht mehr richtig verteilt, hilft die Übersicht Heizungspumpe defekt: Symptome erkennen bei der Abgrenzung.
Die Heizkurve ist vor allem dann ein sinnvoller Ansatzpunkt, wenn sich das Temperaturverhalten in mehreren Räumen gemeinsam mit dem Wetter verändert.
Vor dem Einstellen: erst stabile Bedingungen schaffen
Bevor du Neigung oder Niveau veränderst, sollte die Anlage möglichst unter normalen Bedingungen laufen.
Prüfe vorher:
- Normaler Heizbetrieb ist aktiv.
- Heizzeiten bleiben während des Tests unverändert.
- Die zentrale Raum-Solltemperatur wird nicht gleichzeitig verändert.
- Heizkörper sind entlüftet.
- Der Anlagendruck liegt im vorgesehenen Bereich.
- Heizflächen und Thermostate sind nicht von Möbeln oder Vorhängen verdeckt.
- Es gibt keinen bekannten Defekt, der das Ergebnis verfälscht.
- Pro Test wird nur ein Parameter geändert.
Als Referenz eignet sich ein regelmäßig genutzter Raum, der nicht ständig durch starke Sonneneinstrahlung, Kamin, Ofen oder andere größere Wärmequellen zusätzlich aufgeheizt wird.
Im Referenzraum sollten die Thermostatventile während der Testphase weit geöffnet sein. Sonst können sie eine zu hohe Heizkurve verdecken, weil sie den Durchfluss bereits früh begrenzen.
Heizkurve richtig einstellen: Schritt für Schritt
Beim Einstellen der Heizkennlinie sollten Neigung und Niveau getrennt getestet werden. Werden mehrere Werte gleichzeitig verändert, lässt sich später kaum noch erkennen, welche Änderung tatsächlich geholfen hat.

1. Ausgangswerte sichern
Fotografiere das Menü oder schreibe die aktuellen Einstellungen auf:
- Neigung,
- Niveau,
- Raum-Solltemperatur,
- Heizzeiten,
- Nachtabsenkung,
- gegebenenfalls Heizkreis und Betriebsart.
Ändere danach nur eine Stellgröße.
2. Neigung an kalten Tagen prüfen
An kalten Tagen zeigt sich, ob die Kurve stark genug auf sinkende Außentemperaturen reagiert.
Bleibt der Referenzraum trotz weit geöffnetem Thermostat zu kühl, wird die Neigung in einem kleinen Schritt erhöht.
Wird der Referenzraum bei Frost deutlich zu warm, wird die Neigung in einem kleinen Schritt gesenkt.
Passt die Raumtemperatur, bleibt die Neigung zunächst unverändert.
Wie groß der jeweilige Einstellschritt sein sollte, hängt vom Regler ab. Bei manchen Geräten sind Schritte von 0,1 vorgesehen, andere Systeme verwenden eine andere Skala. Die Bedienungsanleitung entscheidet.
3. Niveau bei milder Witterung fein einstellen
Passt die Neigung bei kaltem Wetter grundsätzlich, lässt sich in der Übergangszeit das Niveau beurteilen.
Sind die Räume bei milderen Außentemperaturen insgesamt zu warm, wird das Niveau etwas abgesenkt. Sind sie insgesamt zu kühl, wird es angehoben.
Danach muss beim nächsten kalten Wetter erneut kontrolliert werden, ob der ungünstigste Raum noch zuverlässig warm wird.
4. Nach jeder Änderung warten
Nach einer Änderung braucht die Heizungsanlage Zeit, bis sich die Wirkung zuverlässig beurteilen lässt.
Bei Heizkörpern sollte mindestens ein vollständiger Heizzyklus abgewartet werden. Häufig sind 12 bis 24 Stunden sinnvoll, sofern sich die Witterung in dieser Zeit nicht stark verändert.
Bei einer Fußbodenheizung kann die Reaktion deutlich länger dauern. Der Estrich speichert Wärme, deshalb lässt sich eine Änderung oft erst nach ein bis mehreren Tagen vernünftig beurteilen.
5. Ein einfaches Heizprotokoll führen
Für die Optimierung reichen wenige Angaben:
| Datum | Außentemperatur | Raumtemperatur | Neigung | Niveau | Beobachtung |
|---|---|---|---|---|---|
| morgens | |||||
| abends |
Notiere außerdem starke Sonneneinstrahlung, längeres Lüften oder andere ungewöhnliche Einflüsse. Ein einzelner warmer Nachmittag reicht nicht aus, um die Heizkurve erneut zu verändern.
🦫 Brunos Tipp: Verändere die Einstellung nicht schon am selben Abend erneut. Sonst überlagern sich die einzelnen Schritte und du weißt am Ende nicht mehr, worauf die Anlage reagiert hat. Ein kurzes Protokoll zeigt nach einigen Tagen viel zuverlässiger, ob sich ein Muster erkennen lässt.
Symptom, Ursache, Einstellung: welche Änderung passt?
| Verhalten | Wahrscheinliche Richtung | Nächster Schritt |
|---|---|---|
| Immer etwas zu kalt | Kurve insgesamt zu niedrig | Niveau leicht erhöhen |
| Immer etwas zu warm | Kurve insgesamt zu hoch | Niveau leicht senken |
| Nur bei Frost zu kalt | Neigung zu flach | Neigung leicht erhöhen |
| Nur bei Frost zu warm | Neigung zu steil | Neigung leicht senken |
| Übergangszeit zu warm, Winter passt | Niveau zu hoch, Neigung möglicherweise nötig | Niveau senken, bei Frost erneut prüfen |
| Übergangszeit zu kalt, Winter passt | Niveau zu niedrig | Niveau erhöhen, bei Frost erneut prüfen |
| Einzelner Raum zu kalt | eher lokales Problem | Ventil, Luft, Heizfläche, Durchfluss prüfen |
| Einige Räume warm, andere dauerhaft kühl | eher Verteilung | hydraulischen Abgleich prüfen |
| Anlage startet und stoppt auffällig oft | mehrere Ursachen möglich | Heizkurve, Volumenstrom, Mindestleistung und Regelung prüfen lassen |
| Ganze Anlage plötzlich kalt | kein typisches Heizkurvenproblem | Betriebsart, Druck, Pumpe und Störung prüfen |
Die Tabelle gibt bewusst nur eine grobe Richtung vor. Die Heizkurve sollte vor allem dann angepasst werden, wenn das Muster zum gesamten Heizkreis passt. Defekte Ventile, Pumpenprobleme oder eine schlechte hydraulische Verteilung lassen sich damit nicht reparieren.
Heizkurve bei Heizkörpern einstellen
Heizkörper geben ihre Wärme über eine kleinere Fläche ab als eine Fußbodenheizung. Je nach Gebäude können deshalb höhere Vorlauftemperaturen und eine steilere Heizkennlinie erforderlich sein.
Das bedeutet aber nicht, dass eine hohe Kurve automatisch richtig ist. Gerade nach Fenstertausch, Dämmmaßnahmen oder dem Einbau größerer Heizkörper kann die bisherige Einstellung inzwischen zu hoch sein.
Das Ziel bleibt: die Heizkurve so niedrig wie möglich einzustellen, ohne dass der ungünstigste regelmäßig genutzte Raum an kalten Tagen zu kühl bleibt.
Heizkurve im Altbau: Hohe Werte sind nicht automatisch richtig
Im Altbau sind steilere Heizkurven häufiger, weil Gebäudehülle und Heizflächen oft höhere Systemtemperaturen erfordern. Eine Neigung von 1,4 oder 1,6 ist deshalb aber noch lange kein pauschaler Altbauwert.
Große Heizkörper, nachträgliche Dämmung, neue Fenster oder ein niedrigerer Wärmebedarf können die nötige Vorlauftemperatur deutlich verändern. Wer nach einer Sanierung noch mit denselben Einstellungen wie vorher heizt, sollte die Heizkennlinie deshalb neu prüfen.
Entscheidend ist auch hier das Verhalten des Hauses: Werden alle Räume bei kaltem Wetter zuverlässig warm, obwohl die Kurve schrittweise niedriger eingestellt wird, war die alte Einstellung wahrscheinlich höher als nötig.
Heizkurve bei Fußbodenheizung einstellen
Bei einer Fußbodenheizung sollte man nach einer Änderung länger warten, bevor man das Ergebnis bewertet als bei Heizkörpern.
Die große Heizfläche kommt meist mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Gleichzeitig reagiert der Fußboden träge. Wer morgens die Heizkurve senkt und sie am Nachmittag schon wieder erhöht, kann die Wirkung der ersten Änderung kaum noch beurteilen.
Deshalb:
- kleine Änderungen,
- mehrere Tage beobachten,
- Raum-Sollwert und Zeitprogramm während des Tests nicht gleichzeitig verändern,
- starke Nachtabsenkungen kritisch prüfen.
Bei einer Fußbodenheizung wird die Heizkurve häufig deutlich flacher eingestellt als bei klassischen Heizkörpern. Der konkrete Wert hängt trotzdem von Gebäude, Verlegeabstand, Bodenbelag und Regelung ab.

Heizkurve bei Wärmepumpe einstellen
Bei einer Wärmepumpe sollte die Vorlauftemperatur nicht höher liegen als nötig. Eine sorgfältige Heizkurvenoptimierung ist deshalb besonders wichtig.
Für die Grundeinstellung gelten zunächst dieselben Regeln wie bei anderen witterungsgeführten Heizsystemen:
- nur kleine Schritte,
- niedrige Systemtemperaturen anstreben,
- ausreichend lange beobachten,
- auch die hydraulische Verteilung prüfen,
- nicht mehrere Parameter gleichzeitig ändern.
Taktet die Wärmepumpe häufig, bleiben einzelne Räume kühl oder ist der Volumenstrom auffällig, reicht eine Änderung der Heizkurve als Diagnose nicht aus.
Wer die Anlage zusätzlich mit Solarstrom betreibt, findet die Grundlagen unter Wärmepumpe und Photovoltaik kombinieren. Welche Betriebsbedingungen für den langfristigen Zustand der Anlage relevant sind, behandelt außerdem der Beitrag zur Lebensdauer einer Wärmepumpe.
Die häufigsten Fehler beim Einstellen
Mehrere Werte gleichzeitig verändern
Neigung, Niveau, Raum-Sollwert und Heizzeiten gleichzeitig zu ändern macht die spätere Auswertung fast unmöglich.
Eine einzelne Raumstörung mit höherer Kurve überdecken
Ein kalter Heizkörper wird nicht automatisch warm, nur weil der gesamte Heizkreis mit höherer Temperatur läuft. Oft werden dadurch lediglich die anderen Räume wärmer.
Zu schnell nachregeln
Wetter, Sonneneinstrahlung und Speichermassen sorgen für Verzögerungen. Besonders bei Fußbodenheizungen braucht die Bewertung Zeit.
Thermostate während des Tests stark drosseln
Dann sieht man nicht mehr, ob die zentrale Regelung zu viel Wärme bereitstellt.
Werte eines anderen Hauses kopieren
Selbst identische Heizgeräte können in zwei Gebäuden völlig andere Heizkurven benötigen.
Die Kurve immer weiter absenken, obwohl der kälteste Raum schon nicht mehr warm wird
Eine möglichst kleine Zahl ist kein Ziel für sich. Optimal ist die niedrigste Einstellung, mit der die benötigte Raumtemperatur unter realen Bedingungen noch zuverlässig erreicht wird.
🦫 Brunos Tipp: Wenn du die Kurve mehrfach verändert hast und einzelne Räume trotzdem deutlich abweichen, solltest du die Heizkurve nicht weiter verändern. Dann spricht viel dafür, dass die Ursache eher bei Hydraulik, Ventil, Pumpe oder Heizfläche liegt als bei der Heizkurve.
Wann sollte ein Fachbetrieb übernehmen?
Ein Fachbetrieb sollte die Anlage prüfen, wenn:
- einzelne Räume trotz geöffneter Ventile kalt bleiben,
- Heizkörper nur teilweise warm werden,
- der Anlagendruck wiederholt sinkt,
- Pumpe oder Ventile neue Geräusche machen,
- die Heizung sehr häufig startet und stoppt,
- mehrere Heizkreise unterschiedlich reagieren,
- Heizkörper und Fußbodenheizung gemeinsam versorgt werden,
- Einstellungen nur in einer geschützten Serviceebene erreichbar sind,
- die ursprüngliche Auslegung oder Dokumentation fehlt.
Eine falsche Pumpeneinstellung, ein überdimensionierter Wärmeerzeuger oder eine ungünstige hydraulische Verteilung werden nicht dadurch behoben, dass immer wieder neue Heizkurvenwerte ausprobiert werden.
Bei einer älteren Anlage kann außerdem die Frage auftauchen, wie viel Optimierung noch sinnvoll ist. Der Ratgeber Wie lange hält eine Heizungsanlage? hilft bei der Einordnung von Alter, Störungen und Reparaturhäufigkeit.
Heizkurve in der Mietwohnung: besser nicht selbst an der Zentrale drehen
In einem Mehrfamilienhaus versorgt eine zentrale Heizkurve mehrere Wohnungen. Eine Änderung für eine zu warme Wohnung kann dazu führen, dass ungünstiger gelegene Räume in anderen Wohnungen nicht mehr ausreichend versorgt werden.
Mieter sollten deshalb die zentrale Regelung nicht eigenmächtig verändern. Hilfreicher ist eine kurze Dokumentation für Vermieter, Hausverwaltung oder Heizungsbetrieb:
- Raumtemperatur morgens und abends,
- Außentemperatur,
- betroffene Räume,
- Thermostatstellung,
- Dauer der Abweichung,
- Wetterabhängigkeit,
- wenn bekannt: ähnliche Beobachtungen in anderen Wohnungen.
Mit diesen Angaben lässt sich besser einordnen, ob die Heizkurve, die Wärmeverteilung oder ein lokales Bauteil geprüft werden sollte.
Häufige Fragen zur Heizkurve
Es gibt keinen universellen Wert. Die optimale Heizkurve ist die niedrigste Einstellung, mit der der ungünstigste regelmäßig genutzte Raum bei kaltem Wetter noch zuverlässig die gewünschte Temperatur erreicht.
Dann stellt die Heizung eine höhere Vorlauftemperatur bereit als nötig. Thermostatventile schließen früher, Leitungsverluste können steigen und manche Anlagen beginnen häufiger zu takten.
Dann reicht die Vorlauftemperatur bei bestimmten Außentemperaturen nicht aus. Sind vor allem kalte Tage betroffen, ist die Neigung ein wichtiger Prüfpunkt.
Die Neigung bestimmt, wie stark die Vorlauftemperatur bei sinkender Außentemperatur steigt. Das Niveau verschiebt die Kennlinie bei vielen Reglern insgesamt nach oben oder unten.
Das lässt sich ohne Gebäude und Heizsystem nicht beantworten. 0,6 beschreibt bei vielen Reglern eine eher flache bis mittlere Kennlinie. Ob sie passt, zeigt erst die Raumtemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen.
Bei Heizkörpern sind häufig mindestens 12 bis 24 Stunden sinnvoll. Bei Fußbodenheizungen sollte wegen der Speicherwirkung deutlich länger beobachtet werden.
Für eine saubere Beurteilung sollten zumindest die ausgewählten Referenzräume nicht durch stark gedrosselte Thermostate begrenzt werden. In manchen Herstelleranleitungen wird empfohlen, die Heizkörperthermostate während der Optimierung vollständig zu öffnen. Nach Abschluss der Einstellung übernehmen die Thermostate wieder die Einzelraumregelung.
Nicht automatisch. Wird sie so weit abgesenkt, dass Räume nicht mehr warm werden, ist die Einstellung zu niedrig. Gesucht wird nicht der kleinste Zahlenwert, sondern eine möglichst niedrige Systemtemperatur bei ausreichendem Komfort.
Fazit
Eine passende Heizkurve lässt sich nicht an einem einzelnen Zahlenwert festmachen, sondern durch Beobachten und schrittweises Nachstellen. Zuerst sollte klar sein, ob das Fehlerbild überhaupt zur zentralen Regelung passt. Danach werden Neigung und Niveau getrennt verändert und jeweils lange genug beobachtet.
Richtwerte und Tabellen helfen bei der Einordnung, ersetzen aber nicht den Test im eigenen Gebäude. Reagieren mehrere Räume ähnlich auf die Außentemperatur, ist die Heizkurve ein sinnvoller Ansatzpunkt. Weichen dagegen nur einzelne Räume deutlich ab, sollte zuerst bei Heizkörpern, Ventilen, der Pumpe oder der hydraulischen Verteilung nach der Ursache gesucht werden.